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Ostthüringer Zeitung OTZ, von Annerose Kirchner
Alle, die Lisa Hoffman begegneten, sind von ihr fasziniert. Die 90-Jährige hat ein wildes, turbulentes Leben hinter sich. Sie ist eine beeindruckende Jahrhundertzeugin, eine der letzten, die noch viel zu erzählen hat. „Mit neunzig Jahren bin ich noch nicht am Ende, mein Verstand funktioniert tadellos“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Fräulein Hoffmans Erzählungen“. Ein Buch wie ein Roman. Doch nichts ist erfunden in diesem unkonventionellen Leben, das die Deutschamerikanerin jetzt kaum ruhiger angeht, wenn sie wie verrückt shoppt, telefoniert oder gerade wieder eine Katze rettet.
Alle, die Lisa Hoffman begegneten, sind von ihr fasziniert. Die 90-Jährige hat ein wildes, turbulentes Leben hinter sich. Sie ist eine beeindruckende Jahrhundertzeugin, eine der letzten, die noch viel zu erzählen hat. „Mit neunzig Jahren bin ich noch nicht am Ende, mein Verstand funktioniert tadellos“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Fräulein Hoffmans Erzählungen“. Ein Buch wie ein Roman. Doch nichts ist erfunden in diesem unkonventionellen Leben, das die Deutschamerikanerin jetzt kaum ruhiger angeht, wenn sie wie verrückt shoppt, telefoniert oder gerade wieder eine Katze rettet.
1919 wird Liesel Hoffmann in Essen als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns geboren. Sie wächst in behüteten Verhältnissen auf. Sie ist blond, sieht gut aus und wirkt schon frühzeitig auf Männer. Keine Femme fatale, aber eine, die das Leben auskostet und ihre erwachte Sexualität genießt. Als die Nazis an die Macht kommen, gelingt ihr die Flucht nach England, wo sie als Haushälterin und Köchin arbeitet. Ihre Eltern und ihr Bruder werden bei einem Fluchtversuch in die Schweiz erschossen.
1947 wandert Liesel Hoffmann, die sich bald Lisa Hoffman nennt, in die USA aus . Sie schlägt sich als Haushälterin, Köchin, Sprechstundenhilfe und Masseuse durch. Nebenbei hat sie unzählige Affären mit verheirateten Männern, hier ein Maler, dort ein Banker. In der New Yorker Emigrantenszene lernt sie den Schriftsteller Oskar Maria Graf kennen und wird seine Geliebte. Graf steht auf schwarze Unterwäsche und widmet ihr Liebesgedichte. Diese „seltsame Affäre“ ist längst nicht die letzte für die „perfekte Geliebte“, die nie heiratete.
Mit Humor erzählt Lisa Hoffman, wie sich für sie in New York als Journalistin und Fotografin die Türen zu den Reichen und Schönen öffnen. Für deutsche Magazine interviewt sie hunderte Berühmtheiten, den Boxer Rocky Graziano oder den Maler Salvador Dali. Was sie dabei erlebt, schildert sie mit umwerfendem Humor. Keineswegs verlegen teilt sie intime Details mit und ihre Ansichten zum Begriff „Mätresse“. Auch, dass sie als Lady Castelmaine für pornografische Männermagazine in den USA schrieb, erzählt sie. Für Liebes- und Sexhungrige hat Lisa Hoffman, deren größte Liebe im Leben ein Hund, ein Shih Tzu, war, manchen Tipp parat.
Sie, die sich gerne mit „Lawinen von Papier“ umgibt, nennt sich eine „Sammelratte“. Trotz Krankheit meistert Lisa Hoffman das Alter in einem Senioren-Village in Connecticut tapfer, mit Blicken auf ihr Leben, das nie langweilig war.
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